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Der Deppenapostroph

Was ist das eigentlich, wo steht er, und warum regen sich so viele Lektoren und Korrektoren darüber auf?


Den Namen hat jede:r von uns sicher schon mal gehört, aber was genau ist das eigentlich? Den „normalen“ Apostroph kennen wir alle: Er kennzeichnet ausgelassene Buchstaben (Heute ist’s kalt – Heute ist es kalt), manchmal sogar ganze Buchstabenreihen (Lu’hafen statt Ludwigshafen, D’dorf statt Düsseldorf). Auch bei der Genitivbildung ist der Apostroph dabei: Endet das Wort auf einen Zischlaut (s, z, x), wird kein -s angehängt: Klaus‘ Auto, Ringelnatz‘ Gedicht.


Der Deppenapostroph dagegen (auch Idiotenapostroph genannt) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für das Setzen von Apostrophen an Stellen, an denen dies in der deutschen Sprache nicht erlaubt ist. In Deutschland sehen wir das meistens an falschen Genitiven: Beispiele für Deppenapostrophe:

  • Foto’s

  • Oma’s Stützstrümpfe

  • Heidi’s Friseursalon

  • Julia’s Lektoratsstube

Bei Auslassungen von „… das“ steht in sehr gebräuchlichen Fällen kein Apostroph:

falsch: an’s, auf’s, in’s, über’s, unter’s, für’s

korrekt: ans, aufs, ins, übers, unters, fürs

Beim Plural (auch von Lehnwörtern und Abkürzungen) werden keine Apostrophe gesetzt:

  • falsch: Auto’s, Snack’s, CD’s, LKW’s

  • korrekt: Autos, Snacks, CDs, LKWs

Ebenfalls regelwidrig ist der Apostroph beim Imperativ der zweiten Person, da der Schwund der Imperativendung -e als regelgemäß akzeptiert ist.

  • falsch: Geh’ mit mir!

  • korrekt: Geh mit mir!



Aber warum ist es gerade so verbreitet, den Genitiv mit einem Deppenapostroph zu versehen? Daran „Schuld“ ist die Anglisierung unserer Sprache:

Im Englischen wird der Apostroph zum Anzeigen von Buchstabenauslassung (don’t), Besitzverhältnissen (the cat’s whiskers) sowie teilweise von Pluralformen nicht im Englischen etablierter Wörter (P’s), (late 1950’s) verwendet. Der englische Genitiv Singular wird durch das Anhängen eines durch Apostroph vom Wortstamm getrennten s gebildet. Ein englischer Unternehmensname besteht gelegentlich aus einem bloßen Genitiv, wie beispielsweise McDonald’s.


Gerade durch die Anglisierung hat sich unsere Wahrnehmung stark verschoben und die Benutzung des Deppenapostrophs verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

Ehrlich - hast du es auch schon benutzt?


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